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Quelle

Die Inspiration

Schon die alten Römer nutzten im Rahmen ihrer hochentwickelten Badekultur die Bad Driburger Quellen. Dies belegen archäologische Funde. Seit 1593 finden sich immer wieder konkrete Hinweise auf die die gesundheitsfördernde Nutzung der Quellen, erstmals kartografisch festgehalten wurde der Brunnen im Jahr 1620. Ein gezieltes Interesse an den Mineralquellen setzte jedoch erst nach dem Dreißigjährigen Krieg ein, so dass der Paderborner Fürstbischof die Quellen 1665 fassen ließ. Eine Ledertapete im nahe gelegenen Schloss Vinsebeck zeigt den Transport des in Flaschen abgefüllten Mineralwassers um das Jahr 1720, das bereits nach „London, Copenhagen, Stockholm, Danzig, Amsterdam, Hamburg, Hannover, Cassel und andere vornehme Stätte in großen Mengen verführet“ wurde.

Seit 1782 sind die Bad Driburger Quellen im Besitz der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff. Caspar Heinrich Freiherr von Sierstorpff (1750-1842) hatte den Gesundbrunnen und die dazugehörigen Anlagen vom Fürstbischoff zu Paderborn per Erbpachtvertrag übernommen. Der Bischof hatte wenige Jahre zuvor 1777 als erste Ausbaumaßnahmen ein kleines Badehaus über dem Brunnen errichtet und war vermutlich froh, der Paderborner Staatskasse die Kosten für weitere Investitionen in den erforderlichen „großen Ausbau“ zu ersparen. Caspar Heinrich von Sierstorpff wurden die Nutzungsrechte hingegen nicht ohne Auflagen überlassen: Er hatte innerhalb von drei Jahren ein Logierhaus und einen Gesellschaftssaal von bestimmter Größe zu errichten.


Die Herkunft

Der Erfolg eines Unternehmens hängt in hohem Maße von seinem Eigentümer bzw. seinem Geschäftsführer ab. Das war auch schon vor über 200 Jahren der Fall. Ob ein Bad sich vieler Besucher erfreuen konnte und wirtschaftlich war, wurde durch seinen Betreiber und dessen Gespür für kommende Trends bestimmt. Die jeweiligen gesellschaftlichen Strömungen und Moden nahmen ebenfalls Einfluss auf die Geschicke des Betriebes.

Caspar Heinrich Freiherr von Sierstorpff war ein mutiger Unternehmer sowie Visionär und mit feinem Gespür dafür ausgestattet, was vom Publikum verlangt wurde. Der Sohn eines bischöflichen Kanzlers war 1750 in Hildesheim geboren worden und studierte später an verschiedenen Universitäten Jura. Seine vielfältigen wissenschaftlichen und musischen Interessen sowie ausgedehnte Reisen durch europäische Kur-Anlagen und die dabei erworbenen Kenntnisse brachten entscheidende Impulse für seinen späteren Erfolg. Darüber hinaus verfügte der Badbegründer gemeinsam mit seiner Ehefrau Marie Sophie von Brabeck, die er 1776 geheiratet hatte, über weitreichende gesellschaftliche, freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen zu den führenden gesellschaftlichen Kreisen und interessierte sich für alle zu seiner Zeit diskutierten Neuerungen, insbesondere im technischen und physikalischen Bereich. So hatte er Kontakt zu vermögendem und an Bäderbesuchen interessiertem Publikum und wusste auch von den in diesen Kreisen geforderten Annehmlichkeiten.

Kurz nach der Übernahme des Gesundbrunnens in Driburg, auf den Caspar Heinrich auf der Suche nach einem geeigneten Gut für seine Interessen und unternehmerischen Tätigkeiten wohl eher zufällig gestoßen war, ernannte ihn der Herzog von Braunschweig im Herbst 1782 zu seinem Hofjägermeister und Kammerherrn. Er übernahm damit die Verwaltung aller industriellen Unternehmen im Staat Braunschweig  und arbeitete sich dank seiner schnellen Auffassungsgabe so schnell in neue Themen ein, dass er später sogar mehrere forstwirtschaftliche Schriften veröffentlichte.


Von hier aus

„Einen Ort des ländlichen Vergnügens“ zu schaffen war die Vision von Caspar Heinrich von Sierstorpff. Wohl wissend, dass sein neues Bad im Umfeld bereits florierender größerer Badeorte einen individuellen Charakter haben müsse, richtete er sich in seinen Planungen nach aktuellen Modeströmungen: Sein Bad sollte sich insbesondere an die aufgeklärten Kreise des höheren Bürgertums und Beamtenschaft richten. Mit seinem Konzept ermöglichte er dieser Gesellschaftsschicht einen ungezwungenen und ländlichen Aufenthalt in einer geschmackvollen und modernen Umgebung jenseits der traditionellen höfischen Etikette.

Der Weg dahin gestaltete sich nicht immer einfach: In zähen Verhandlungen mit den Driburger Bauern und der Stadt erwarb Sierstorpff in den nächsten Jahren „jedes Stück Land und Wiese, was irgendwie nahe lag“. Er ließ das sumpfige Gelände entwässern und Wege anlegen. Zwischen 1783 und 1786 errichtete er das erste Logierhaus (jetzt Sierstorpff-Haus) und das Armenhaus (das jetzige Verwaltungsgebäude). 1793/94 begann der Bau eines zweiten Bad- und Logierhauses (jetzt Hölderlin-Haus), dem sich 1803 das Wohnhaus Sierstorpffs anschloss. Im „Gräflichen Haus" wohnen seine Nachkommen bis heute. Um 1815 gab es nach den Napoleonischen Kriegen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Driburg war inzwischen preußisch geworden, und Sierstorpff – dem es gelang, von Preußen finanzielle Unterstützung beim Ausbau der Kuranlagen zu erhalten – schrieb 1820 an Kanzler Graf Hardenberg, die Besucherzahl des Bades habe so zugenommen, dass viele Gäste abgewiesen werden müssten. Zu dieser Zeit baute er ein weiteres großes Logierhaus (das jetzige Vincke-Haus). Waren bis dahin alle Bauten von unbedeutenden Baumeistern der Umgebung errichtet worden, so ließ der inzwischen in den Grafenstand erhobene Sierstorpff die Pläne zur neuen Wandelhalle, der Krönung der gesamten Anlage, vom renommierten Architekten Peter Krahe anfertigen. Trotz fortlaufender Modernisierungen haben sich die Nachfahren des Badgründers stets bemüht, die historische Substanz zu erhalten, so dass das Bad als Ensemble heute noch unzerstört den feinsinnigen Charme des ausgehenden 18. Jahrhunderts ausstrahlt.

Die Entstehung des 64 Hektar großen Landschaftsparks, in dem die Badanlage liegt, ist ebenfalls eng mit ihrem Begründer verbunden. Caspar Heinrich von Oeynhausen-Sierstoprff ließ den Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestalten. Noch heute geht der seltene Baumbestand teilweise bis auf das Gründerjahr 1782 zurück.